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Die Gründungsjahre

1874-1898

21.03.1874

Erste Vorsitzende: Carl Gärttner (1874-1875), Carl Oehl (1876), Franz von Davans (1877-1878), Wilhelm Zengerle (1879-1885), Dr. Wilhelm Strauß (1886-1888), Dr. Karl Eller (1889-1898), Paul von Preen (1894-1897), Eberhard Graf von Zeppelin (1898-1899)
 

Die erste Anregung zur Gründung einer Konstanzer Sektion des Alpenvereins geht auf den Apotheker Carl Gärttner zurück, der als Mitglied der 1869 gegründeten Sektion Schwaben kurz zuvor aus Stuttgart nach Konstanz gezogen ist. Gemeinsam mit dem zuvor der Sektion Frankfurt angehörenden Dr. Wilhelm Strauß ist er maßgeblich daran beteiligt, dass sich am 21. März 1874 ca. 20 Herren im damaligen Café Dietrich treffen, um die Sektion Konstanz zu gründen. Sie ist damit das 39. Mitglied des im Jahr 1873 im Zuge eines Zusammenschlusses entstandenen Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. Diese zunächst eher zwanglose Vereinigung hat bis zum Ende des ersten Jahres bereits 52 Mitglieder, die zunächst noch „von Mund zu Mund“ persönlich angesprochen werden. Es sind vornehmlich Akademiker, Unternehmer, Militärangehörige und Adelige und damit Vertreter des gehobenen Bürgertums.

Die jeden Samstag um 8 Uhr abends stattfindenden Treffen werden bald ins Gasthaus Barbarossa verlegt und dienen vor allem der Zusammenkunft unter Gleichgesinnten. Bald kommen jedoch Ausflüge in die nähere Umgebung bis ins Allgäu und das Vorarlberg hinzu, u. a. befördert durch die neue Dampfschifflinie von Konstanz nach Bregenz. Und auch anspruchsvollere Touren an den Lünersee und eine „erste größere Bergbesteigung auf die Schesaplana“ finden statt. Um dem gestiegenen Interesse an Ausfahrten gerecht zu werden, wird außerdem Anfang der 90er-Jahre gemeinsam mit anderen Sektionen und dem Schwarzwaldverein eine Vereinbarung mit der Badischen Eisenbahn über ein 10-Tages-Retourticket geschlossen. Bereits in den ersten Jahren beteiligt sich die Sektion auch am Hüttenbau in den Alpen, zunächst jedoch nur in Form von finanzieller Unterstützung wie bei der Douglas- oder der Tilisuna-Hütte. Außerdem werden auch immer wieder Spenden für Opfer von Naturkatastrophen geleistet.

Bis zum Jahr 1881 gibt es kaum Aufzeichnungen, weshalb das eine oder andere Ereignis nicht genau zu datieren ist. So gibt es als Vorläufer des Kartoffelessens wohl bereits Mitte der 1870er Jahre erste Treffen, bei denen es üblich war, „allherbstlich ein Quantum verschiedener Sorten Versuchskartoffeln an einem Vereinsabend mitzubringen, sie durch die Köchin des Barbarossa sieden zu lassen und den anwesenden Mitgliedern zur sachverständigen Probe vorzusetzen“. Im Jahr 1879 wird dann erstmals Wein aus einer „Weinkanone“ mit einer 13,75 Liter fassenden Riesen-Weinflasche ausgeschenkt; das Ganze begleitet durch „poetische und musikalische Darbietungen“ und nicht selten bis in die frühen Morgenstunden hinein andauernd. Und ab 1881 ist ein „Kanonier“ in den historischen Unterlagen belegt. Und auch das Stiftungsfest, das immer im März stattfindet, dient dem geselligen Beisammensein. Hierzu werden ab 1883 auch die „Damen der Mitglieder“ und in den folgenden Jahren auch Vertreter anderer Sektionen des Alpenvereins eingeladen. Die Christbaumfeier wird dagegen Ende der 1880er Jahre eingestellt.  

Neben diesen geselligen Aspekten kommt aber auch der Alpinismus als eigentlicher Vereinszweck nicht zu kurz und daher wird bereits in den Anfangsjahren eine eigene alpine Bibliothek eingerichtet, die zunächst mit einem Drittel der Vereinseinnahmen für Bücheranschaffungen ausgestattet wird. 

Zum 10-jährigen Jubiläum im Jahr 1884 kann sich die Sektion über ein außergewöhnliches Ereignis freuen: die Generalversammlung des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins findet vom 19. bis 21. August im damals eher beschaulichen Konstanz statt. Es sollte ein bedeutendes, 4-tägiges gesellschaftliches Ereignis mit über 500 Gästen, Schiffsausflügen mit 3 Dampfschiffen auf die Mainau und nach Überlingen, bengalischen Feuern in Meersburg und der Konstanzer Bucht, einer italienischen Nacht im Konstanzerhof und einem Festessen im Inselhotel werden. Fest-Versammlungen, bei denen mindestens „einiger Wert auf Speis und Trank gelegt wurden“, sind in jener Zeit wesentlicher Bestandteil des Alpenvereins und auch der Sektion.  

Und die durchgeführte Generalversammlung sollte ihre Spuren in der Sektion hinterlassen: in Würdigung und Erinnerung an dieses wundervolle Wochenende soll der Bau eines eigenen „Touristenhauses“ in den Bergen umgesetzt werden. Eine hierzu eingesetzte Kommission wird beauftragt, noch im Herbst des gleichen Jahres einen Standort im „Ferwalltal“, den Dr. Strauß vorgeschlagen hat, zu begutachten. Nach einer folgenden intensiven internen Diskussion, in deren Rahmen alternativ die Anschaffung eines Klaviers und einer neuen Dekoration des Vereinslokals vorgeschlagen werden, wird der Bau am 28. März 1885 beschlossen. Die Bauvorbereitungen für die damals noch so genannte „Patteriolhütte“ beginnen im April, der erste Spatenstich erfolgt am 10. Juni und bereits am 10. August des gleichen Jahres können 120 anwesende Gäste die Eröffnung feiern. Es „begann mit im freien zubereiteten Festessen und einem Festtrunk. Eine Musikkapelle verschönte das Fest, Böllerschüsse ertönten im einsamen Tal. Am Abend war Feuerwerk, wobei versucht wurde, den Patteriol bengalisch zu beleuchten“.  

Die Kosten der Hütte mit Vorraum, Wohnzimmer mit Herd, Schlafstellen, Damenraum und Dachraum sowie ergänzenden Wegebaumaßnahmen belaufen sich auf 5.795,61 Mark; der „Gesamtverein“ steuert 2.000 Mark bei. Die Hütte bietet – folgt man den Chronisten – für die damalige Zeit gehobenes Niveau: ... „befindet sich ein Pritschenlager für 10 Personen, das in seiner üppigen Ausstattung mit Strohsäcken, Rosshaarmatratzen, Kopfpolstern und Wollteppichen auch auf anspruchsvollere und minder abgehärtete Gebirgswanderer reflektiert“. In den folgenden Jahren werden eine Hausapotheke, ein Büchergestell und ein Photographiealbum auf Vereinskosten angeschafft und darüber hinaus gibt es zahlreiche Spenden aufgrund von Wetten, die Mitglieder untereinander zugunsten der Hütte abschließen. So können Kannen für Trinkwasser und Milch, elegante Essbestecke, ein Schnellsieder und Bücher ergänzt werden. Außerdem werden für alle Hütten des Alpenvereins einheitliche Schlösser und Schlüssel ausgegeben und gegen Ende der 80er-Jahre wird erstmals ein Proviant-Depot „gegen mäßige Preise“ angelegt, wenige Jahre später gibt es bereits Knorr’sche Suppentafeln statt nur Erbswurstsuppe. Im Jahr 1888 besuchen 128 „Touristen“ die Hütte, was zu Einnahmen von 74 Mark führt, 1895 waren es bereits 328 Besucher, von denen 170 übernachten. Der Patteriol wird jährlich bis zu 20-mal bestiegen, 1887 erstmals auch von einer Frau. Im Zuge durchgeführter Vermessungen wird festgestellt, dass die Kuchenspitze um 26 Meter höher ist als die Küchelspitze – was zu einem Anstieg in den Besteigungszahlen führt. 1890 wird ein Tarif für Bergführer der Region mit diesen vereinbart und öffentlich zur Kenntnis gegeben. Am 14. und 15. August 1893 besuchen 32 Mitglieder der Sektion Vorarlberg, darunter 3 Frauen, die Hütte: sie erhalten als Willkommensgeschenk ein Fass Bier und einen Imbiss von der Sektion. Im Jahr 1894 erhält die Hütte einen Kellerteil, um Weinflaschen zu lagern. Die zunehmende Attraktivität und Bekanntheit der Hütte hat allerdings auch ihre Nachteile: 1895 wird erstmals die Hüttenkasse ausgeraubt - der Täter kann gefasst werden - und nur zwei Jahre später wird erneut eingebrochen: 80 Büchsen Konserven werden gegessen, das Lokal wird beschmutzt und der Herd beschädigt. Außerdem werden in dieser Zeit Sonderausgaben fällig, da Hochwasser die Brücke über die Rosanna fortgeschwemmt hatte. Eine Prüfung, ob der Patteriol statt wie bisher über die Nordwand auch über die ungefährlichere Südwand bestiegen werden könnte, führt zum Ergebnis, dass der Südzustieg „ganz abscheulich, überaus anstrengend und übermäßig lange und teilweise auch langwierig” ist und daher nicht in Frage kommt, „obwohl er weniger gefährlich ist“. Interessant ist auch ein Bericht aus dem Jahr 1897, wonach „St. Anton sich in den letzten Jahren zu einer recht bedeutenden Sommerfrische entwickelt hat“. Von diesen Gästen wird die Hütte auch häufiger besucht, wobei „diese die Hütte jedoch oft wieder verlassen, ohne sie zu reinigen“. 1899 wird erstmals ein Hüttenwart bezahlt, der im Wesentlichen für die Reinigung und „kleinere Handreichungen“ zuständig ist. 

Im Jahr 1885 tritt Seine Königliche Hoheit Friedrich, Erzherzog von Baden, der Sektion als Ehrenmitglied bei - was sicherlich durch die damals bereits gegebene Bedeutung der Sektion begründet ist. Kurz darauf treten 12 Mitglieder aus der Sektion aus, um in Essen die Sektion „rote Erde“ zu gründen, die sich als „Tochtersektion“ der Konstanzer versteht. Die Mitgliederzahlen wachsen insgesamt deutlich, so dass 1890 bereits 306 Personen verzeichnet waren, darunter zwei „Fräulein...“, eine „Frau Witwe...“, ein Hofopernsänger aus Braunschweig, zwei Premier-Leutnants, ein Mediziner und ein Apotheker aus Berlin, ein Oberst aus Gotha, ein Kaufmann aus Hamburg, ein Rittmeister aus Danzig, ein Major aus Magdeburg, ein Arzt aus Frankfurt, ein Kaufmann aus Regensburg, ein Postkassier aus Mönchengladbach, ein Gasthofbesitzer aus Genf, 5 Züricher verschiedener Profession und viele, viele mehr.
 

Im Rahmen der nach wie vor wöchentlich stattfindenden Treffen werden vermehrt Vorträge gehalten, so z. B. im Jahr 1887 bei 19 Terminen, an 4 Abenden wurden dabei „Photographien aus den Alpen“ gezeigt. Auch Vorträge über „indisches Leben und indische Landschaften“, oder „von Konstantinopel nach Damaskus“ finden statt und 1892 hält mit einem Vertreter des SAC aus Zürich erstmals ein „Externer“ einen Vortrag: ein Projektionsabend über die Alpenwelt. In diesem Jahr ist ein Mitglied in Norwegen inkl. Nordkap auf Tour – worüber sicherlich auch berichtet wird. Etwas ganz Besonderes ist der Vortrag des damals weitläufig bekannten Nordpolfahrers Julius Ritter von Payer im Jahr 1896. 

Und auch darüber hinaus engagiert sich der Verein: so wird z. B. ein Führer „Konstanz und Umgebung“ in mehreren Auflagen herausgebracht, im Jahr 1891 auch auf Englisch und Französisch. Die Finanzen des Vereins entwickeln sich trotz des Hüttenbaus – für den die letzte Rate 2 Jahre nach Fertigstellung bezahlt wird - sehr gut: sie belaufen sich z. B. 1890 auf Einnahmen in Höhe 4.294 Mark und Ausgaben in Höhe von 3.110 Mark, darunter 81 Mark für Bücher, 212 Mark für den Weg zum Kuchenjoch und 1.884 Mark Abführungen an den Gesamtverein. 1896 liegen 4.606 Mark auf dem Konto.