Freeriden. Wofür braucht es da eigentlich eine Schulung?
Auf unseren Lagern erleben wir es immer wieder: Kinder und Jugendliche lieben es die gesicherte und planierte Piste zu verlassen und nebendran durch den Tiefschnee zu fahren. Scheint erstmal ganz leicht zu sein. Doch, was die Kids dann auch sehr schnell von uns Jugendleiter*innen lernen: Das Gelände abseits der Pisten birgt alpine Gefahren, mit denen man sich auseinandersetzen muss. Heißt, es braucht Wissen zur Beurteilung der Lawinengefahr, Notfallmanagement, Notfallausrüstung und ggf. Orientierungskompetenzen.
Um uns auf das Leiten einer Gruppe in diesem Gelände vorzubereiten, hat Flurina eine sektionsinterne Jugendleiter*innen-Schulung organisiert. Geleitet wurde sie durch die angehenden Bergführer*innen und aktiven JDAVler*innen Anna Gomeringer und Robert März. Danke euch an dieser Stelle!
An einem Donnerstag im Januar ging es also mit dem Zug nach Davos. Nach einer kleinen Stärkung fuhren wir mit dem Bus ins Sertigtal für eine ausgiebige Lawinen-Verschütteten-Such-Übung. Da alle bereits mit den Grundlagen vertraut waren und das nicht unser erstes Training diesen Winter war, übten wir bald komplizierte Szenarien mit Mehrfachverschüttung, um die Gruppenkoordination in den Mittelpunkt zu rücken. Im Dunklen ging es zurück zur Unterkunft, wo wir uns nach dem selbst gekochten Essen noch mit der Theorie der Skitechnik auseinandersetzten.
Wie überall und die ganze Zeit in diesem vom Klimawandel geprägten, schneearmen Winter, hatten wir auch in Davos eine heikle Lawinenlage mit Altschneeproblematik. Gleichzeitig lag nur in hohen Lagen ausreichend Schnee. Die Bedingungen verunmöglichten es, anspruchsvolle Freeride-Abfahrten zu unternehmen. Also blieben wir defensiv und versuchten doch möglichst viele Lernsituationen aus dem langen Wochenende zu ziehen.
Am zweiten Tag trainierten wir die Skitechnik und lernten verschiedene Übungen kennen, die auch mit der Jugendgruppe wieder angewendet werden können. Gleichzeitig bekamen wir Einblicke in das Gelände um uns herum, für die Planung der nächsten Tage. Abends festigten und erweiterten wir in gemütlicher Runde im Schlafsaal unser Wissen zur Lawinenkunde. Danach stand noch die Tourenplanung für den Samstag an.
Samstag und Sonntag ging es dann in zwei Gruppen aufgeteilt in verschiedene Gebiete. Soweit es die Lawinenlage zuließ, suchten wir spannende Abfahrten, First Lines und natürlich den besten Schnee. Wir lernten verschiedene Führungsstile beim Freeriden kennen und beschäftigten uns mit der Abfahrtsplanung und Orientierung. Mit teils eingeschränkter Sicht war es gar nicht so einfach, sich schnell zu orientieren und die Gruppe effizient zu leiten. Perfekte Übungsbedinungen. In regelmäßigen Abschnitten wechselten wir die Führungsrolle und gaben uns gegenseitig Feedback.
Die Beine waren inzwischen ziemlich platt, aber wir lernten viel dazu.
Abends beschäftigten wir uns noch mit der Planung von Freerideabfahrten und wichtigen Sicherheitsaspekten, die einem vom Skitourengehen her vielleicht gar nicht so bewusst sind. Beispielsweise ist es wichtig, beim Freeriden handlungsfähig zu bleiben. Da man die Abfahrten häufig nicht schon vom Aufstieg kennt, können plötzlich Umstände auftreten, die ein Umkehren notwendig machen. Problematisch, wenn man dann keine Felle dabeihat oder die Kondition für den Wiederaufstieg fehlt. Das sollte man bei der Planung beachten.
Sonntagnachmittag fuhren wir nach vier lehrreichen Tagen mit müden Beinen wieder gen See.