Es ist Winter und endlich fällt wieder Schnee. Spätestens wenn die Landschaft wieder weiß und von funkelnden Schneeflocken bedeckt ist, hat man den Eindruck, ein leises Rufen kommt aus der Ferne. Dann sind alle bereit und stehen mit Rucksäcken, bis zum Rand mit Schoko bepackt, am Konstanzer Bahnhof, um (na klar!) auf Skitour zu gehen.
Wie immer wird zur Sicherheit ein Material-Check gemacht. Die Erwartung, dass die Essentials nach der 100. Skitour bei jeder Person ihren Weg in den Rucksack finden, wurde erfüllt… Bei Selma und Becca allerdings zeitlich etwas verzögert.
Da die Lawinenlage kritisch ist, wird die Klostertaler Umwelthütte storniert und die erste Skitour von Konstanz aus an den Seelisbüchel gemacht. Alles verläuft reibungslos, die Aussicht und das Wetter sind wundervoll, man konnte bei der Abfahrt sogar die Person vor sich erkennen und alle kommen unversehrt unten an. Das kann man zumindest für alle Menschen behaupten. Marian ist nur für diese eine Tour mitgekommen und wollte diese anscheinend einzigartig gestalten. Auch er hat an diesem Tag gelernt, dass es sich lohnt am Gipfel zuerst die Bindung umzustellen und die Ski nicht den Hang runter sausen zu lassen. Tja..., dass man die Tour einbeinig abgefahren ist, kann auch nicht jede*r von sich behaupten.
Ohne Marian, und seinen übrig gebliebenen Ski, geht es am nächsten Tag aber wirklich auf zur Hütte und ins wahre Abenteuer nach Thalkirch im Safiental. Nach der Ankunft sind viele noch motiviert, fühlen sich fit und gehen bei Sonne auf eine kleine Tour. Danach wird, wie jeden Abend, ein wundervolles Essen gegessen und danach der Lawinen-Lage-Bericht diskutiert. Häufig erweisen sich die Bedingungen zum Touren als eher ungelegen, also eigentlich hatten wir jeden Tag einen 4er mit Altschneeproblem. Da war es umso praktischer Lorenz dabei zu haben. Der war nämlich kurz vorher genau in diesem Tal und kannte so die lokale Situation vor dem neusten Schneefall. Dank diesem Insider-Wissen und vielen flachen Hängen, ist es jeden Tag möglich auf Tour zu gehen. Naja,… für die meisten von uns. Das Krankenlager wird von Flu und Mili über fast die ganze Woche hinweg treu erhalten. Ab und zu von anderen Teilis auch erweitert. Aber auf dem Ofen Mittagschlaf machen und Kicker bauen macht auch Spaß.
Aufgrund der Lawinenlage konnten wir am letzten Tag noch eine große Lawine auf der gegenüberliegenden Talseite abgehen sehen und die Erfahrung einer eigene Fernauslösung machen (steiles Bachbett 50-100m neben uns). Dank der sehr defensiven Routenwahl (keine Hänge-/Hangsysteme betreten, die relevante Stellen über 30° Grad beinhalten...) blieben wir aber alle unversehrt, obwohl man sich manchmal Sorgen machen muss, wenn Selma kopfüber in den Schnee stürzt und danach behauptet, ihr sei schwindelig.
Da wir auch noch am letzten Tag auf Skitour gehen, erweist sich das Aufbrechen zum Bus als überaus hektisch. Alle kramen ihr Zeug vor der Hütte so gut es geht zusammen und machen sich auf den Weg. Den Helm auf dem Kopf, die Stöcke in der Hand, die Ski an den Füßen und den Rest des Gepäcks irgendwie an sich baumelnd kommen alle gerade so rechtzeitig am Bus an. Puh, gerade so geschafft. Später im Zug packt Selma noch die Angst. Hat sie ihr Handy auf der Hütte vergessen? Sie hat schon ihr ganzes Gepäck durchsucht, so erzählt sie. Trotzdem machen sich Karlotta und Mili auf die Suche nach dem verschollenen Handy und siehe da! Es hat doch seinen Weg in den Zug geschafft und alle können müde, aber froh und mit einem Haufen Erinnerungen nach Hause fahren.
Man muss schon sagen, es war ein wildes Lager, aber was wäre denn ein Lager ohne Chaos und Abenteuer?