Zwischenzeitlich führt mit Graf Eberhard von Zeppelin bereits der achte Vorsitzende die Sektion. Man glaubt sich fast in heutige Zeiten versetzt, aber als Ursachen für den häufigen Wechsel werden bereits damals Arbeitsüberlastung und Wegzug aus beruflichen Gründen genannt. Und auch überraschend kommt sicherlich der Hinweis auf den damals bereits hohen Anteil an auswärtigen Mitgliedern.
In das neue Jahrhundert wechselt die Sektion mit 280 Mitgliedern, darunter „zwei Damen“, im Jahr zuvor waren 27 Personen neu eingetreten, 13 ausgetreten und ein Mitglied ist verstorben. Im Jahr 1909 erhalten 53 Mitglieder zum 25-jährigen Jubiläum erstmals das neu vom Hauptverband eingeführte silberne Edelweiß.
Ein Blick in die Vereinskasse in diesen Jahren verrät Erstaunliches: so werden u. a. eine Spende des Großherzogs (die es des Öfteren gab) in Höhe von 100 Mark aus dem Vereinsetat auf 300 Mark aufgestockt, um damit einen Wegebaufonds zu begründen. Außerdem werden u. a. pro Jahr 85,80 Mark an die Führer-Unterstützungskasse sowie 34 Mark an den Volkstrachten-Erhaltungsverein gezahlt.
Im Jahr 1905 wird die Satzung überarbeitet. In der neuen Fassung ist u. a. dargelegt, dass „zur Förderung der Vereinszwecke und geselligen Unterhaltung jeden Monat - und zwar regelmäßig am ersten Samstag - eine Versammlung der Mitglieder stattfindet (Monats- oder Sektionsversammlung). Die Sektionsversammlung des Monats Dezember ist die ordentliche Generalversammlung.... Wer der Sektion beitreten will, hat sich durch ein Mitglied des Ausschusses bei der Sektionsversammlung anmelden zu lassen. Die auf die Anmeldung nächstfolgende Sektionsversammlung beschließt sodann durch geheime Abstimmung über die Aufnahme. „Der Mitgliedsbeitrag liegt bei 10 Mark, das „Eintrittsgeld“ für Neumitglieder bei 5 Mark. Und hier noch eine Übersicht über die beruflichen Hintergründe der Ausschussmitglieder. Die 12 im Jahr 1923 vertretenen Personen sind Oberpostrat, Staatsanwalt, Buchhändler, Kaufmann, Professor, Obergewerbelehrer, Privatier, Handelskammerpräsident, Medizinalrat, Kreisschulrat, Chemiker und Bankdirektor.
Viel Freude scheint das jährliche Kartoffelessen zu bereiten: es nehmen regelmäßig über 80 Personen teil und in einem Jahr wird berichtet, dass 11 Kanonen (Flaschen á 13,75 und 10 Liter) ausgeschenkt wurden und die Feier bis „zum Morgengrauen“ angedauert hat – da können wir sicherlich von einer äußerst munteren Gesellschaft ausgehen. Im Jahr 1912 werden erstmals die Jubilare im Rahmen des Kartoffelessens geehrt und in diesem Zusammenhang wird auch die „Kanonenspende“ eingeführt.
Der Kontakt zu anderen Sektionen ist rege. Beispielhaft sein hier im Jahr 1899 die Teilnahme von „8 Mitglieder und eine Dame“ an der Eröffnung des Heilbronner Weges genannt. Und auch darüber hinaus weiten sich die Aktivitäten aus: bereits Ende der 90er Jahre kommen Skifahren und Schneeschuhtouren hinzu, 1912/13 finden erste Skikurse in Zürs und Flums statt.
Die Konstanzer Hütte kann im Jahr 1900 insgesamt 692 Besucher begrüßen, von denen 333 übernachtet haben. Die Gebühren hierfür liegen für Mitglieder bei 10 Kreuzern pro Tag, 30 Kreuzer gilt es bei Übernachtungen zu entrichten; Nichtmitglieder zahlen jeweils das Doppelte. Die rege Nachfrage führt zu weiteren baulichen Aktivitäten: bereits 1902 wird die Hütte um Keller, Küche, Speiseraum und Obergeschoss nochmals erweitert. Die Kosten belaufen sich auf 12.000 Mark, wovon der Hauptvereins 6.000 Mark übernimmt. Und schon ein Jahr später wird ein neues Speisezimmer in Betrieb genommen; die feierliche Eröffnung des Anbaus wird mit Gästen aus Wien, Innsbruck, Lindau, Landshut, Ulm, St. Anton und St. Jakob gebührend begangen. Die Hütte verfügt jetzt über 11 Betten sowie 14 Matratzen- und Heulager für ca. 20 Personen und einen Speisesaal für ca. 40 Personen. Ergänzt wird außerdem ein Anbau für Brennholz und die Unterbringung einer Kuh und 1909 erfolgt der Bau einer Quellfassung mit Trinkwasserleitung. Anfang des Jahrzehnts wird auch über die erstmalige Bewirtschaftung der Hütte durch Anna Küng und Elisabeth Ladnner aus Nenzing berichtet.
Die in vielerlei Hinsicht erstaunliche und äußerst positive Entwicklung des Vereins nimmt mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs ein abruptes Ende. Jetzt bestimmen andere Inhalte das Leben der Bevölkerung und die Rahmenbedingungen des Vereins verändern sich fundamental, an Bergsport und Geselligkeit ist fortan nicht mehr zu denken. Die Vereinsmitglieder leisten je nach persönlicher Situation Kriegsdienst, 27 von ihnen werden nicht zurückkehren. Diejenigen, die in Konstanz bleiben können, sind in anderer Weise von den neuen Lebensumständen gefordert. Daher finden keine Monatsversammlungen und Sektionstouren mehr statt, lediglich die jährliche Hauptversammlung wird durchgeführt. Aus dem Vereinsvermögen fließen 6.000 Mark in eine Kriegsanleihe und darüber hinaus zahlreiche Spenden an unterschiedliche Organisationen. Die Konstanzer Hütte dient nun ausschließlich militärischen Zwecken, das Inventar wir in St. Anton gelagert.
Einzig der Kauf der Kathreinhütte scheint nicht so ganz in diese Zeit zu passen. Auf Wunsch des Hauptvereins wird sie 1917 ungesehen übernommen und bei einem ersten Besuch 1920 ist der Unmut über die Gegebenheiten groß. Daher wird sie – wenn auch inflationsbedingt mit sehr großem finanziellem Verlust – 1922 an die Sektion Friedrichshafen zum Preis von 35.500 Mark weiterverkauft und damit zu einem Preis von umgerechnet 7 Wolldecken. Sie steht heute noch als Friedrichshafener Hütte unterhalb des Schafbichljochs.
Erste Nachkriegsaktivitäten sind im Jahr 1919 ein Lichtbilder-Vortrag „Auf Schneeschuhen im Hochgebirge“ im April und die Hauptversammlung im Dezember. Im Jahr 1921 wird die Hütte nach knapp 8 Jahren wieder eröffnet und auch das Kartoffelessen findet erstmals wieder statt. Aber die Zeiten sind schwierig: 1922 liegt der Mitgliedsbeitrag bei 1.000 Mark für ein A-Mitglied und dennoch ist die Vereinskasse leer: sie weist 1923 bei fast 1.000 Mitgliedern einen Bestand von „einigen wenigen Goldpfennigen“ auf. Und dies bei laufenden Ausgaben auch nur, weil einige Mitglieder dem Verein Geld leihen – das inflationsbedingt dann nicht mehr zurückgezahlt wird. Hierfür ein weiterer Beleg: „ein Viertelliter Ehrenstätter kostet in der Vereinsherberge 400 bis 500 Milliarden“.
Die Hütte wird ab 1924 vom St. Antoner Altbürgermeister Gottlieb Tschol, seiner Frau und einigen seiner 14 Kinder bewirtschaftet – und damit wird eine „Dynastie“ von Hüttenwirtleuten begründet, die bis ins Jahr 2000 Bestand haben wird. Die Hütte kann trotz der schwierigen Zeit damals bereits ca. 1.000 Besucher begrüßen.
Ein kurzer Hinweis zu den weiblichen Mitgliedern: nachdem sie in den Anfängen sicherlich gemäß den damaligen Vorstellungen nur als „Damen“, Ehefrauen und Töchter beteiligt waren, ist ihre Form der Teilnahme und Bedeutung sicherlich zwischenzeitlich angewachsen. Welche Entwicklung hierbei letztlich gegeben ist, ist jedoch aus den vorhandenen Chroniken nicht eindeutig nachzuvollziehen.
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